Blastocystentransfer – Nur in Österreich?

Gerade Praxen in den europäischen Nachbarländern werben oft unseriös um Kunden. Oft werden dort irreführende oder sogar falsche Behauptungen gemacht. So werden unrealistisch hohe Schwangerschaftsraten angegeben, die nur mit der Anwendung von Labormethoden erreichbar wären, die angeblich in Deutschland verboten seien.

Behauptung: „ Im Ausland sind die Chancen bei einer künstlichen Befruchtung schwanger zu werden höher als in Deutschland”
Die Fakten: Weltweit werden seit etwa 30 Jahren künstliche Befruchtungsbehandlungen (IVF/ICSI) durchgeführt. Heute wissen wir, dass die Schwangerschaftsrate vor allem von dem Lebensalter der Frau und der Qualität der Eizellen/Embryonen abhängig ist und sich über alle Altersgruppen unter 40 Jahren seit Jahren bei etwa 20-40 % pro Behandlungsmonat bewegt.

Aber sind die Schwangerschaftsraten im Ausland wirklich höher als in Deutschland?
Hierzu muss man sich unabhängige Meldestatistiken der einzelnen Länder ansehen. In den für Kinderwunschpaare interessanten europäischen Nachbarländern gibt es nur in Österreich (nicht aber in Tschechien) ebenso wie in Deutschland eine Jahresstatistik über die IVF/ICSI-Behandlungen,

In Österreich sind diese Jahresberichte des IVF-Fonds über die Homepage des Bundesministerium für Gesundheit in Österreich abrufbar unter www.bmgfj.gv.at

In Deutschland erstellt das Deutsche IVF-Register (DIR) die Jahresberichte. Abrufbar unter www.deutsches-ivf-register.de(Jahresberichte)

Daten aus Deutschland
Behandlungsergebnis 2013 Blastocystentransfer – Nur in Österreich?

Daten aus Österreich
488fea4aae2a813d34ce3fbff9ef9e07 Blastocystentransfer – Nur in Österreich?

Bevor man beide Statistiken miteinander vergleicht, muss man darauf hinweisen, dass sie nicht genau dieselben Patientinnengruppen darstellen.

In der Österreichischen Tabelle wird nur die Schwangerschaftsrate der Österreichischen Frauen bis zum 40 Lebensjahr angegeben, die nach dem sog „Fonds-Modell” behandelt wurden (in etwa vergleichbar mit der Gruppe der in Deutschland gesetzlich versicherten, verheirateten Frauen von 25-40 Jahren, bei denen die gesetzliche Krankenkasse 50 % der Behandlungskosten übernimmt). Die Schwangerschaftsraten von Paaren mit nach mehreren Fehlversuchen die Behandlung selbst bezahlen, von Frauen über 40 Jahren oder Frauen aus dem Ausland werden in der österreichischen Statistik NICHT erfasst.

Die hier abgebildete Deutsche Statistik zeigt die Schwangerschaftsraten für das ICSI-Verfahren. In der deutschen Statistik sind alle Behandlungen erfasst, unabhängig von der Anzahl der bisher durchgeführten Behandlungszyklen. Es werden zudem nur Zyklen erfasst, die bis zum achten Stimulationstag gemeldet wurden. Damit wird verhindert, dass von Ärzten im Nachhinein eine Auswahl vermehrt positiver Behandlungsverläufe gemeldet werden kann.

Wir haben Ihnen die Bereiche der Statistiken in beiden Ländern markiert, die unter Berücksichtigung der oben angegebenen unterschiedlichen Patientinnengruppen die Schwangerschaftsrate pro Follikelpunktion bei in etwa vergleichbaren Altersgruppen angeben.

Zusammenfassend fällt auf, dass die Statistiken aus beiden Ländern weitgehend ähnliche Schwangerschaftsraten für die jeweiligen in etwa vergleichbaren Altersgruppen aufweisen.
Wenn einzelne ausländische IVF-Zentren mit Schwangerschaftsraten von 60-80 % pro Behandlung werben, erscheint dies nicht plausibel.


2. Behauptung: „Die Schwangerschaftsraten bei der künstlichen Befruchtung in Deutschland sind niedriger als im Ausland, weil in Deutschland Techniken wie z.B. der Blastozystentransfer verboten sind, im Ausland aber erlaubt sind”

Dass die Schwangerschaftsraten in Deutschland mit dem Ausland vergleichbar sind, haben wir oben schon dargelegt. Selbstverständlich ist es aber auch in Deutschland erlaubt und in der täglichen Routine unserer Praxis etabliert, ausgewählte Embryonen bis zum fünften Tag in der Kulturlösung zu belassen und dann als „Blastozysten” in die Gebärmutter einzupflanzen. Auch verbietet das Embryonenschutzgesetz nicht die Identifikation geeigneter Embryonen mit hohem Potential für eine Schwangerschaft. Lediglich die Erzeugung von Embryonen auf Vorrat ist sinnvoller Weise sanktioniert.

Wir führen daher den Blastozystentransfer in unserer Praxis durch und besprechen mit Ihnen, wenn Sie als Paar von dieser Technik profitieren. Oft jedoch kann es gerade für jüngere Paar sinnvoller sein und insgesamt eine höhere Schwangerschaftschance aus allen entnommenen Eizellen mit sich bringen, den Transfer der ausgewählten Embryonen nach Absprache schon am Tag 2 oder 3 durchzuführen und zusätzlich befruchtete Eizellen der Gefrierkonservierung (Kryokonservierung) zuzuführen.

3. Behauptung: „Im Ausland sind die Behandlungskosten für eine IVF oder ICSI-Behandlung niedriger als in Deutschland”
Kinderwunschpraxen im Ausland werben oft mit vermeintlich attraktiven Preisen für eine künstliche Befruchtung, die zunächst scheinbar unter den Kosten für eine vergleichbare Behandlung in Deutschland liegen. Oft werden im Ausland zwar zu Beginn der Behandlung günstige Preise angegeben, später, aber für plötzlich angeblich notwendige zusätzliche Untersuchungen noch Mehrzahlungen angekündigt, über die Paare vorher nicht informiert wurden.

Paare sollten bei dem Kostenvergleich auch die Fahrt- und Übernachtungskosten mitberücksichtigen sowie den höhere Zeitaufwand.

Die einzige medizinische Behandlungsmethode, die betroffene deutsche Paare tatsächlich nur im Ausland (z.B. in Tschechien oder Spanien) in Anspruch nehmen können, ist die künstliche Befruchtung mittels Eizellen von Spenderinnen. Diese Methode ist in Deutschland verboten, ebenso wie beispielsweise in Italien, der Schweiz und Österreich.

Sollten Sie Fragen zu den beschriebenen Aspekten der Kinderwunschbehandlung haben, so stehen wir, die Ärzte mit dem gesamten Team der Kinderwunschpraxis Drs. med. Hamori/Behrens/Hammel gerne zur Verfügung


Artikel: Blastocystentransfer – Nur in Österreich? der ivf Praxis Erlangen